Kindergarten-Politik

Ich wollte mich eigentlich nie gross zu politischen Themen in der Schweiz äussern. Zu emotional wird dieses Thema in der Regel aufgenommen und sofort ist man abgestempelt und vorverurteilt. Andere Meinungen werden kaum noch ernst genommen. 

Trotzdem möchte ich nun über die vergangene Bundesratswahl schreiben. Die SVP hat sich im Vorfeld nicht allzu geschickt verhalten und die Linken haben dies natürlich sofort ausgenutzt. Man hatte nun den gesuchten Grund, der SVP den zustehenden Sitz wieder nicht zu geben, gefunden.  

Das Argument, die SVP sei ja selbst Schuld, nur noch einen Sitz zu haben, da sie Eveline Widmer-Schlumpf aus der Partei geworfen hatte, ist auch so typisch für das linke Zurechtbiegen. Welche Partei würde wohl anders handeln, wenn sich die anderen Parteien absprechen und irgendein Mitglied wählen, das ihnen gerade passt? Jede Partei hat das Recht selbst zu entscheiden, wen sie im Bundesrat haben möchte und es wäre doch mehr als nur anständig, wenn man dies akzeptiert. Egal welche Meinung man vertritt, ob man links oder rechts wählt, es sollte doch selbstverständlich sein, dass die Sitze nach Wähleranteil verteilt werden. Es ist nicht gut für die Schweiz, wenn die wählerstärkste Partei untervertreten ist im Bundesrat. Und die Politiker gaukeln uns doch immer vor, das Beste für die Schweiz zu wollen? Nicht dass ich so naiv wäre und immer noch erwarten würde, dass Politiker ehrlich sind, aber dass sie wenigstens die Fairness einigermassen einhalten, würde ich schon erwarten.

Zudem müsste sich doch die Linke vor zwei SVP-Bundesräten nicht fürchten, wenn sie von ihrer Politik überzeugt wären. Mir ist es jedenfalls nicht wohl, wenn ich weiss, dass im Bundesrat unsichere Politiker sitzen, die es mit Ethik und Ehrlichkeit ganz offensichtlich nicht ganz so ernst nehmen.  Besonders jetzt, wo soviele Probleme auf die Schweiz zukommen. 

Ich persönlich habe grosse Mühe, irgendeinen Politiker zu wählen. Wer sagt denn heute noch, was er wirklich denkt und wer handelt schon so, wie es für die Schweiz tatsächlich am besten ist? Es geht doch nur noch darum, sich und seine Partei erfolgreich zu verwirklichen. Man argumentiert nicht mehr so, um seine ehrlich gemeinten Anliegen dem Volk zu präsentieren. Man sucht sich die Anliegen heraus, die das Volk gerade am meisten beschäftigt, sagt das von dem man glaubt, dass es das Volk hören will und hofft dabei, dass man dann gewählt wird. Mir fehlen in der Schweizer Politik Charakteren wie Blocher von damals. Menschen, die sagen was sie denken und dann auch so handeln. Egal, ob sie dann in den Medien zerrissen werden oder nicht. Leute, die von ihrer Meinung überzeugt sind und für das eigene Volk kämpfen. Ich will Bundesräte, die als oberste Priorität das eigene Volk setzen. Schliesslich sind wir hier in unserem Heimatland und wollen ernst genommen werden. Leider fühle ich mich längst nicht mehr ernst genommen. Die Geschichte von Bettwil zeigt doch klar auf, wie demokratisch unser Land in Tat und Wahrheit noch ist. Wir haben die Schnauze zu halten und alles über uns ergehen zu lassen. Schliesslich haben wir eh keine Ahnung. Dies zeigt auch, dass die Ausschaffungsinitiative nicht so umgesetzt wird, wie es das Volk verlangt hat. Und dass wir den Bundesrat nicht selbst wählen dürfen ist ein weiterer Beweis dafür, für wie kompetent und intelligent die Schweizer Bürger gehalten werden. Ja, wir können das Parlament wählen, das dann den Bundesrat wählt. Aber wie viel Wert man auf die Aussagen dieser potentiellen Parlamentarier legen kann, habe ich ja bereits geschrieben. Also schlussendlich habe ich halt eben doch absolut keine Chance bei der Bundesratswahl ein Wörtchen mitzureden.

Ich habe das Vertrauen in die Politik komplett verloren. Bloss was tun? Soll ich auf die wertvolle Demokratie verzichten und nicht mehr mitbestimmen? Oder soll ich weiterhin Politikern meine Stimme geben, denen ich kaum ein Wort glauben kann? Ich weiss es nicht, ich weiss es wirklich nicht!

So, das ist meine ganz persönliche Meinung zur Politik in der Schweiz. Ich empfinde dies so schon seit längerem und beobachte mehr und mehr, dass es eben vielen Schweizern genau so geht. Bloss traut man sich ja kaum noch zu seiner Meinung zu stehen. Eben, weil man gleich abgestempelt und verurteilt wird! 

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