Gedanken zum Tod meiner Eltern

4 1/2 Jahre ist es nun schon her, seit ich meinen Vater verloren habe. 4 Monate und 13 Tage sind vergangen seit dem Tod meiner Mutter.
Es war für mich immer sehr schwer, mit dem Tod meines Vaters klar zu kommen. Kaum ein Tag ist vergangen, an dem ich nicht an meinen Vater gedacht habe. Es sind die kleinen Freuden des Lebens, welche mit einem schmerzhaften Nebengeschmack behaftet sind. Es sind die schwierigen Phasen des Lebens, in denen der elterliche Rat fehlt. Es sind die wegweisenden Momente des Lebens, bei welchen die weise Meinung der Eltern gefragt, aber nicht beantwortet wird. Egal wo man sich auf der Erde gerade aufhält. Der Ort, an dem sich die Eltern aufhalten, ist der Ort, an dem auch das eigene Herz zu Hause ist. Meine Eltern haben mich verlassen. Ich fühle mich haltlos. Mein Herz sehnt sich nach einem zu Hause. Die elterliche Liebe kann durch nichts und niemanden ersetzt werden. Der Tod der Eltern reisst ein Loch in die Seele, welches niemals wieder zusammen wachsen kann. Dieses schwere Schicksal werde ich nie einfach als Pech abstempeln können. Zu mächtig und ungreifbar ist der Schmerz!
Immer wieder kommt der Wunsch auf, meinen Vater, meine Mutter, treffen zu können. Die Tatsache, dass dies nie mehr möglich sein wird, kann ich jeweils nur für kurze Zeit verdrängen. Umso verzweifelter nehme ich immer wieder zur Kenntnis, dass meine Eltern nie mehr wiederkehren werden. Es ist immer wieder aufs Neue ein harter Brocken, den ich zu schlucken habe. Der Schmerz sitzt tief. Laufend stelle ich fest, dass ich meinen eigenen Vater kaum gekannt habe. Ich war zu sehr mit mir selbst beschäftigt, als er noch lebte. Zu jung war ich, um mir ernsthafte Gedanken über den möglichen Tod meines Vaters machen zu können. Trotz seiner Krankheit habe ich das Unvorstellbare erfolgreich verdrängt. Doch dann war es soweit. Die Nachricht über seinen Tod versetzte mich in einen Schockzustand, aus dem ich bis heute nicht vollständig erwachen konnte. Viel zu überwältigend sind diese schmerzhaften Gefühle des Verlustes. Und als ob dies nicht schon genug schlimm genug wäre, überkam mich bald schon der nächste Schock.
Die Krankheit meiner Mutter so hautnah miterleben zu müssen war grausam. Ich musste hilflos mit ansehen, wie meine eigene Mutter langsam zu Grunde ging. Kaum etwas blieb mir erspart. Eindeutig zuviel für einen 24-jährigen der gerade erst mit dem Tod seines Vaters zurecht kommen musste…
Diese beiden schweren Schicksalsschläge holen mich laufend ein. Kann man über so etwas vollständig hinweg kommen? Nein! Mit dem Tod meiner Eltern ist auch in mir etwas gestorben. Meine Hochzeit wird wunderschön. Doch ein fader Beigeschmack wird sie begleiten. Es tut weh, zu wissen, dass die eigenen Eltern nicht werden dabei sein können. Wann ist ein Mensch wohl stolzer, als im Moment der Geburt seiner Kinder. Selbstverständlich präsentiert man seinen Nachwuchs voller Stolz den Eltern, den frisch gebackenen Grosseltern. Ich werde dies niemals tun können.
Das sind Gefühle, welche mich durch mein Leben begleiten. Schreiben hilft, um damit umgehen zu können. Eigentlich wollte ich diese Gedanken nur für mich aufschreiben. Doch dann entschied ich mich, diese mit der Öffentlichkeit zu teilen. Es soll zeigen, dass es nicht selbstverständlich ist, das zu haben, was man hat. Es soll auch zeigen, dass man sehr schnell „unverlierbares“ eben doch verlieren kann. Belangloser Streit mit seinen Liebsten lohnt sich nicht. Schliesslich weiss man nie, wie viel Zeit man noch hat. Da soll jede Sekunde genossen werden. Es lohnt sich, dass ich auf mich acht gebe. Wenn nicht für mich selbst, dann ganz sicher für meine Liebsten. Ich fühle mich meinen ungeborenen Kindern gegenüber verpflichtet, alles in meiner Macht stehende zu unternehmen, damit sie nicht dasselbe durch machen müssen, wie ich es leider muss!

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