Fussballfans sind alles Schwerverbrecher…

Es wird wieder einmal diskutiert, wie man gegen die „Hooligans“ in der Schweiz vorgehen will. Folgende Massnahmen sollen nun umgesetzt werden:

– Ein längeres und gesamtschweizerisches Rayonverbot

– eine Ausweitung der Meldeauflage

– Durchsuchungen im Intimbereich

– Bewilligungspflicht für Spiele.

Die absolute Höhe ist ja wohl die Durchsuchung im Intimbereich. Glauben diese Herren denn eigentlich ernsthaft, dass dies eine Lösung bringt. Wie verhält sich wohl ein Mensch, dem man im Intimbereich herumfummeln will? Er wird agressiv und Pyro wird trotzdem oder erst recht gezündet. Diese Idee ist frei von jeglicher Verhältnismässigkeit und lässt sich wohl kaum mit dem Schweizer Gesetz in Einklang bringen. Es kann doch nicht sein, dass mir einer an den Kronjuwelen herumfummelt, nur weil ich – seines Erachtens (!!!) – verdächtig aussehe!

Falls dies tatsächlich durchkommen sollte, so hoffe ich ganz ehrlich, dass wieder eine ähnliche Aktion gestartet wird von Seiten der Fans, wie damals beim Fanpass. Wenn keine Fans mehr kommen, spüren diese Neunmalklugen vielleicht wieder einmal, dass diese „Schwerverbrecher“ von existenzieller Wichtigkeit sind für die Klubs. Ja es gibt Chaoten, die sich nicht korrekt verhalten. Doch diese gibt es überall und leider immer mehr auf dieser Welt. Das ist kein Problem des Fussballs, sondern der Gesellschaft und Kollektivstrafen sind unfair und kontraproduktiv. Mit Gegengewalt erreicht man rein gar nichts, ganz im Gegenteil. Dafür muss ich kein jahrelanges Studium abgeschlossen haben, um es zu erkennen.

Der Staat versucht tatsächlich mit immer härterer Repression das Problem in den Griff zu bekommen. Sind wir im 21. Jahrhundert denn wirklich nicht schlauer und wissen, dass dies absolut kontraproduktiv ist? Es wird mehr Gewalt geben und Pyros werden auch in Zukunft gezündet. Sie wurden schon vor 20 Jahren gezündet und als Bestandteil guter Stimmung deklariert. Da war es komischerweise noch kein Verbrechen. Interessant, wie schnell sich sowas ändern kann.

Dass man nicht einfach zuschauen darf, ist mir auch klar. Pyros wurden in letzter Zeit leider auch als Waffe benutzt und das darf nicht sein. Doch statt, dass man die Hauptbetroffenen, nämlich die Fans, mit einbezieht, bestraft man wieder einmal mehr alle zusammen und lässt dem Fan weniger Rechte als einem Vergewaltiger oder Kinderschänder. Dabei wäre es doch wesentlich vielversprechender, wenn man mit den Fans ernsthaft zusammen sitzt und Lösungen ausarbeitet. So würde auch die Selbstregulierung in den Fankurven noch besser funktionieren und es wäre nicht soviel Aggressivität in der Luft, wie sie es zurzeit leider ist und zwar von beiden Seiten…

2 Antworten auf „Fussballfans sind alles Schwerverbrecher…“

  1. Kann dir nur teilweise zustimmen. Auch ich finde Pyros sind schön anzusehen und bringen Stimmung, egal ob im Stadion oder beim Marsch zum Stadion. Ja, Pyros gab es schon immer. Ich denke der Umgang damit hat sich aber sehr verändert. Ich bin nur noch höchst selten im Brügglifeld anzutreffen, weil die Szene einfach nicht mehr das ist, was sie vor 3-4 Jahren mal war. Gewisse junge Fangruppen haben das gefühl Sie seien die „tollsten“, obwohl sie alles ruinieren. Wegen genau diesen Gruppen gehe ich nicht mehr oft ins Stadion, und wenn stelle ich mich klar ausserhalb der „kurve“ hin. Und wegen genau diesen Gruppen bin ich für ein Pyroverbot. Mir ist nicht wohl dabei wenn junge, übereifrige, idiotische Schlägertypen tödliches „feuerwerk“ in ihren händen halten.
    Man müsste halt die Idioten an den Pranger stellen, bzw. sie in die Hände der zuständigen Leute geben (wie damals in Thun, wo sich die Fans gegen den Pyromanen gestellt haben!) So könnte man verhindern das alle bestraft werden.
    Idiotischerweise sind es immer die schuldigen die dann jammern wenn gegen sie ein Stadionverbot ausgesprochen wird und noch itiotischer sind die Fans, die mit den dummen Fangruppierungen „Anti-Stadionverbot-Aktionen“ unterstützen.

    Sorry für den langen Text, aber das wollte ich mal gesagt haben 😉

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