Ein Jahr ohne Dich…

Heute ist er wieder da. Dieser schmerzliche 30.11., der sich unvergesslich in unser Innerstes gebrannt hat. Ich weiss noch genau wie das war vor einem Jahr. Als wir am 29.11.10 nach Hause kamen und Dich völlig verzweifelt vorfanden. Was man wochenlang befürchtet hatte, schien nun eingetroffen. Das Ende nahte.

Eine schwierige, herzzerreissende Entscheidung muss ich treffen. Schaffe ich es noch, Dich zu Hause zu versorgen oder ist der Gang ins Spital unausweichlich? Das Spital, das Du doch so sehr fürchtest? Ich muss mir eingestehen, dass ich es einfach nicht mehr schaffen kann. Mir fehlt die Kraft. Die Angst, Dich ersticken zu sehen und nichts tun zu können, ist zu gross. Ich hoffe, Du verstehst mich. 

Doch bevor wir gehen, musst Du noch das Gröbste aufräumen in der Wohnung. Bis am Schluss ist es Dir wichtig, keine Unordnung zu hinterlassen. Deine Worte beim Verlassen der Wohnung sind bewegend: „Melanie und du können doch zusammen hier wohnen“. Wir wissen alle, dass meine Antwort darauf wohl nicht mehr als ein Wunschgedanke bleibt: „Nein, Mam. Du kommst morgen wieder nach Hause, ganz bestimmt!“.  

Beim Eintreffen im Krankenhaus steigst Du nicht sofort aus. Erst muss noch das Handy auf neue Nachrichten gecheckt werden. Du spürst, dass es das letzte Mal sein wird. Nun schaltest Du es aus. Es wirkt so, als würdest Du Dich von all Deinen Leuten verabschieden, die jetzt nicht hier sind.  

All Deine Kinder stehen nun da, an Deinem Bett. Ein magischer Moment erreicht uns alle. Jedem Deiner Kinder schaust du tief in die Augen. Ich spüre, dass Du Dich so von mir verabschiedest. Ein ergreifender Moment, den ich erst im Nachhinein richtig verstehen werde.  

Nicole bleibt bei Dir in dieser Nacht. Ich verabschiede mich von Dir, ein letztes Mal kann ich Dir sagen, wie sehr ich Dich liebe. Nur wenige Stunden später stehe ich bereits wieder hier. Du hast uns verlassen. Es tut so weh, Dich gehen lassen zu müssen. Doch wir gönnen es Dir, endlich die lang ersehnte Ruhe gefunden zu haben. Du siehst erlöst aus.

Dich leiden sehen und nicht helfen können, das war unser grösster Schmerz…

Nun leben wir alle bereits ein ganzes Jahr ohne Dich. Ich brauche lange, um einigermassen mit all diesen schrecklichen Erlebnissen klar zu kommen. Oftmals geht es mir ganz schlecht in diesem Jahr. Ich weine und rede viel. Bin oftmals nahe an der Verzweiflung, habe Angst nicht mehr aus diesem Loch zu finden. Doch plötzlich geht es Berg auf. Dank Melanie geht es mir stetig besser. Ich weiss, dass ich ohne Melanie nicht ins Leben zurück gefunden hätte. Melanie, die Du so sehr geschätzt hast. Sie hat auch Dir viel helfen können, was Dir sehr viel bedeutet hat. Ein Goldschatz sei meine Melanie, sagtest Du immer wieder zu mir. Wie recht Du immer hattest, wird mir von Tag zu Tag bewusster.  

Heute, ein Jahr nach Deinem Tod, geht es mir viel besser. Ich habe immer wieder Momente, in denen ich sehr traurig bin, doch sie sind sehr selten geworden. Endlich kann ich wieder an die schönen Momente denken, die ich mit Dir erleben durfte. Bei Gedanken an Dich, kann ich endlich wieder lächeln. 

Ich vermisse Dich, Mami!

 

 

 

Kommentar verfassen